Wenn ich könnte, wie ich wollte!

In den landwirtschaftlichen Schulen Oberösterreichs befassen sich künftige Hofübernehmer/-innen im Rahmen eines Projekttages mit dem heiklen Thema Hofübernahme.
Die Schüler/-innen stehen meist noch fünf bis zehn Jahre vor der Hofübergabe. Weil am Bauernhof das Arbeiten und Wohnen am selben Ort stattfindet, sind offene Gespräche, gute Planung und klare Entscheidungen wichtig. Die Veranstaltung soll ein erster Anstoß sein, um künftig beiden Seiten ein reibungsloses Zusammenleben zu ermöglichen.

Wertvolle Tipps aus der Praxis

Der Workshop selbst ist sehr praxisnah gestaltet. Eine Bäuerin und ein Bauer berichten ausführlich, wie ihre persönliche Hofübernahme über die Bühne ging.

Gerti Grabmann - selbst seit 25 Jahren Bio-Bäuerin in Münzkirchen - verbildlicht die Rolle der Bäuerin bzw. Frau am Hof. "Den Jugendlichen wird oft erstmals bewusst, wie viele verschiedene Möglichkeiten es für die Partnerin auf dem Hof geben kann", erklärt Gerti Grabmann.

Thomas Köppl, der mit seiner Frau Birgit einen Hof in Reichenau führt, berichtet, welch riesige Umstellung es sein kann, wenn eine Frau auf einen Hof einheiratet, selbst wenn sie von einem Bauernhof stamm. "Es kann sein, dass die Ehefrau voll im Beruf Bäuerin aufgeht, es kann aber auch sein, dass die Frau gar nicht mitarbeitet und einen anderen Beruf wählt. Wichtig ist, diese Entscheidung als Familie gemeinsam zu treffen", bringt es Thomas Köppl auf dem Punkt.

In den folgenden Gesprächen wurde ausführlich auf die Frage der künftigen Hofübernehmer/-innen eingegangen:

-Wie war das mit dem weichenden Erben?
-Wie leben wir am Hof?
-Wie schafft man das Abnabeln bzw. das Selbstständig werden, wenn man mit den Eltern am Hof lebt?
-Warum bin ich gern Bäuerin oder Bauer?

Was ist eine Bäuerin?

Diese Frage regt die meist männlichen Schüler zum Nachdenken an. Vorgestellt werden nämlich auch reale Lebenswege und Entscheidungen von neun verschiedenen Frauen, bis sie Bäuerin oder Frau am Hof wurden.
Maschinenring Kremstal-Windischgarsten
In Gruppengesprächen erarbeiten die Jugendlichen gemeinsam Wissenswertes zum Thema Hofübergabe wie hier in der Fachschule Lambach.

Kernpunkte werden gemeinsam erarbeitet

Im Rahmen von Gruppenarbeiten werden die Punkte erarbeitet, die zwischen Übernehmern und Übergebern zu regeln sind. Wie zum Beispiel die Notwendigkeit der getrennten Haushalte, die wirkliche Übergabe des Hofes, nicht nur am Papier, der Umgang und er notwendige Platz der neuen Frau bzw. des neuen Mannes am Hof.

Mit diesem Projekt kommt zur rein rechtlichen Betrachtung des Themas Hofübernahme im Unterrichtsfach "Rechtskunde" die soziale und emotionale Seite dazu. Die positiven Rückmeldungen der Schüler/-innen beweisen, dass hier eine Bildungslücke von enormer Bedeutung für die bäuerlichen Familien geschlossen wurde.