„Ein bisschen Adrenalin ist schon dabei“

Spezialbaumfällung in einem Garten in Sistrans bei Innsbruck
Spezialbaumfällung
Forstwirtschaftsmeister Christian Früh

Seit gut einhundert Jahren steht sie da, groß und mächtig. Viel hat sich um sie herum bewegt und verändert. Menschen wurden geboren, wuchsen auf, blieben und gingen. Häuser wurden errichtet, abgerissen und wieder aufgebaut. In den letzten Jahren ist es eng geworden. Ihre mächtigen Äste bekommen nicht mehr den Platz, den sie brauchen.

Klaus Grassmayr hat sich schweren Herzens entschlossen, die alte Lärche in seinem Garten in Sistrans entfernen zu lassen. Immer wieder gab es gefährliche Situationen durch herunterfallende Äste. Bei einem Föhnsturm vor einigen Jahren hat ein Ast großen Schaden an einem der Nachbarhäuser angerichtet. Jetzt ist es an der Zeit, sich von dem Baum zu trennen, der bereits vor ihm, seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern hier stand. Die Häuser sind ihm gefährlich nahe gerückt, er steht direkt an der Straße. Bei starkem Wind oder bei Schneefall muss man fürchten, dass etwas passiert.

Wie fällt man einen großen Baum mitten im Siedlungsgebiet?
Doch so einfach ist es nicht, einen überständigen Baum mitten im Siedlungsgebiet zu fällen. Er würde in eines der Häuser stürzen, die ihn an allen Seiten wenige Meter weit entfernt umgeben. Hier müssen schon Fachleute ran. In der Zeitung ist Grassmayr auf ein Inserat gestoßen: „Spezialbaumfällung“. Das klang vielversprechend. Nach einem kurzen Telefongespräch wurde ein Besichtigungstermin vereinbart und zwei Fachleute vom Maschinenring kamen direkt vor Ort. Nach dieser Begutachtung wurde das Angebot gelegt, mit dem Grassmayr einverstanden war.

Schweres Gerät und Klettertechnik
Das Maschinenring-Team rückt mit schwerem Gerät an: einem Spezialkran und einem Traktor mit einem Forstkrananhänger inklusive Wanne für den Abtransport. Der Baum soll von oben stückweise abgetragen werden. Dazu muss ein Facharbeiter in den Baum steigen, das abzutragende Stück mit einer stabilen Kette am Kran befestigen und den Stamm Stück für Stück absägen.

Ein Fall für Christian Früh. Der junge Rumer Landwirt ist Forstwirtschaftsmeister und hat sich auf schwierige Baumabtragungen spezialisiert. Er arbeitet bereits seit zehn Jahren für den Maschinenring und hat sich die Kletterei selbst beigebracht. Dies ist neben der Schweinemast und dem Erdäpfelanbau ein wichtiges Einkommen. Allerdings ist es auch kein Job für jedermann. Bevor er in den Baum steigt, schaut er sich die Situation noch ein letztes Mal genau an: „Ein bisschen Adrenalin ist schon dabei.“, so Früh. Und weiter: „Aber Angst darfst du nicht haben, sonst passiert ein Fehler.“

Früh steigt in den Baum, sichert sich mit Gurt und Kletterseil und fixiert das Kranseil im oberen Drittel. Ein paar dürre Äste werden vorab entfernt. Dann reicht ihm ein Kollege die Motorsäge. Knapp unter dem Kranseil durchtrennt er den kompletten Stamm. Ein Kracksen und der Kran hebt das erste Drittel des Baumes hoch und legt ihn auf die Straße. Nach einem Blick auf die Schnittfläche stellt Früh fest: „Das war höchste Zeit. Der Baum ist schon faulig.“

In der Zwischenzeit zerlegen zwei Kollegen das Baumdrittel auf der Straße: Äste werden abgetrennt und der Stamm noch zwei-, dreimal durchgesägt, damit später alles in die Wanne des Anhängers passt. Ein paar wenige Schaulustige haben sich mittlerweile eingefunden. Eine zufällig vorbei spazierende Großmutter und ihr staunendes Enkelkind können sich von dem Schauspiel nicht mehr losreißen. Ein junges Paar in einem Auto ärgert sich weniger darüber, dass die Straße gesperrt ist, als dass es vielmehr das unverhoffte Spektakel genießt. Grassmayr und seine Frau stehen mit dem Fotoapparat im Garten und schauen den Arbeiten erleichtert und wehmütig zugleich zu: „Wir sind froh, dass diese Arbeit jetzt gemacht wird. Wir selbst wären überfordert gewesen.“

Sieben Tonnen Lärchenholz
Noch immer ragt der Baum hoch in den Himmel. Aber er ist nicht mehr der höchste. Die Eiche hinter ihm überragt ihn mittlerweile um einige Meter. Gute drei Tonnen Stamm- und Astmaterial haben Früh und sein Team bereits herunter geholt. Früh steigt noch einmal in den Baum, alle Arbeitsschritte werden wiederholt und weitere vier Tonnen Lärchenholz liegen bald auf der Straße. Die Arbeiten gehen zügig voran, das Material wird an den Straßenrand und in die Wanne geschafft, damit der Weg wieder frei wird. Grassmayr kommt mit den Arbeitern ins Gespräch, lobt die saubere Arbeit und bittet Früh, doch das letzte astfreie Stück des Baumes stehen zu lassen und oben für eine ebene Schnittfläche zu sorgen.

Alle Spuren beseitigt
Zwei Stunden später wird von den Arbeiten nichts mehr zu sehen sein. Früh hat das gesamte Material in mehreren Fahrten weggeführt. Anwohner, die am Morgen in die Arbeit gefahren sind und abends heimkommen, werden die Veränderung bemerken oder auch nicht. Von der Lärche selbst stehen noch ein paar Meter des Stammes. Grassmayr wird darauf ein Baumhaus für seine Enkelkinder bauen.

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