Neuausrichtung der Sozialen Betriebshilfe

25. November 2010 – Soziale Betriebshilfe

Eine neue Vereinbarung zwischen SVB (Sozialversicherungsanstalt der Bauern) und dem Maschinenring Österreich, die mit 1. Juli 2011 in Kraft treten wird, bringt deutliche Verbesserungen in der Sozialen Betriebshilfe für bäuerliche Familien und Dienstleister.
v. l. n. r.: Maschinenring Österreich Bundesobmann Hans Peter Werderitsch, SVB-Obmann Abg. z. NR Karl Donabauer, SVB-Generaldirektor Mag. Franz Ledermüller, Maschinenring Österreich Bundesgeschäftsführer Dr. Matthias Thaler, Direktionsrat Dr. Franz Riedl (SVB), SVB-Obmannstellvertreter Vizepräsident Klaus Schwarz

Seit 1996 leisten die SVB und der Maschinenring partnerschaftlich rasch und unbürokratisch Hilfe für bäuerliche Familien, um nach bestimmten Ereignissen wie Krankheit und Unfall, im Todesfall, aber auch bei Kuraufenthalt oder Mutterschaft eine Ersatzarbeitskraft bereitzustellen und damit die wirtschaftliche Entwicklung des Betriebes abzusichern. Im letzten Jahr hat die SVB rund 5,5 Mio. Euro für die Soziale Betriebshilfe, die Mutterschaftsbetriebshilfe und die Rehabilitationsbetriebshilfe als Zuschuss geleistet und 4.750 Fälle wurden abgerechnet. Vom Maschinenring wurde dabei die Administration und Bereitstellung von geeigneten BetriebshelferInnen für insgesamt 798.556 Einsatzstunden geleistet.

Um diese wichtige Ersthilfe auch künftig leisten zu können wurde nun von SVB und Maschinenring eine Neuausrichtung der bewährten Kooperation beschlossen, die auf Entwicklungen und strukturelle Veränderungen in der Landwirtschaft eingeht. Eckpunkte der Überlegungen waren z. B. die Frage, welche personellen Ressourcen in der Landwirtschaft heute noch verfügbar sind gerade in Anbetracht der sinkenden Zahl von hauptberuflich beschäftigten Angehörigen, aber auch die Überlegung, wie man der zunehmenden Spezialisierung der Betriebe mit entsprechend qualifizierten Ersatzarbeitskräften, die mit der in der jeweiligen Produktionssparte verwendeten Technik vertraut sind, Rechnung tragen kann. Ein weiterer wesentlicher Punkt, der in den vergangenen Wochen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe diskutiert wurde, betraf auch die finanziellen Mittel, die in der Sozialen Betriebshilfe eingesetzt werden müssen, um auch künftig das vorangige Ziel einer Betriebsfestigung in besonderen Situationen zu erreichen.

In ersten Gesprächen wurden zwischen SVB-Obmann Abg. z. NR Karl Donabauer, dem Bundesobmann des Maschinenring Österreich, LKR Hans Peter Werderitsch, und Bundesgeschäftsführer Dr. Matthias Thaler Eckpunkte zur Neuausrichtung der Sozialen Betriebshilfe formuliert, die von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Experten von Maschinenring und SVB im Detail ausgearbeitet wurden.

„Ziel ist es, die Leistung der Sozialen Betriebshilfe den heutigen Erfordernissen in der Landwirtschaft anzupassen und als effektive Hilfe in Notsituationen für betroffene Landwirte auch mit einer entsprechenden Leistungshöhe anbieten zu können. Es geht um eine bedarfsgerechte Weiterentwicklung eines langjährig anerkannten Erfolgsmodells. Es geht um eine Anpassung, Verbesserung und Ergänzung des bisherigen Leistungsangebotes”, unterstreicht dazu auch SVB-Obmann Karl Donabauer.

Wesentliche Eckpunkte der neuen Vereinbarung, mit denen die Leistungen der Sozialen Betriebshilfe den heutigen Erfordernissen angepasst werden sollen betreffen z. B. die Umstellung des bisherigen Tagsatzmodells auf ein Stundenverrechnungmodell. Statt der bisher pauschalen Abgeltung von 34 Euro pro Einsatztag gewährt die SVB nach der neuen Vereinbarung einen Zuschuss pro Betriebshelferstunde von 8 Euro pro Stunde, für maximal acht Stunden pro Tag in den ersten 90 Tagen des Einsatzes. Wird eine Arbeitsunfähigkeit darüber hinaus bestätigt, ist eine Bezuschussung von bis zu 6 Stunden a 8 Euro pro Einsatztag vorgesehen. Seitens der SVB rechnet man damit, dass man mit diesem neuen Abrechnungsmodell künftig 1,5 bis 2 Millionen Euro zusätzlich bei der Sozialen Betriebshilfe leisten wird.

Eine ganz wesentliche Änderung, um den Bedarf an Arbeitskräften in der Sozialen Betriebshilfe auch in Zukunft abdecken zu können, betrifft die Vorraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um als Sozialer Betriebshelfer eingesetzt werden zu können. Vereinbart wurde diesbezüglich eine Öffnung der Möglichkeiten, das heißt, falls im Rahmen der landwirtschaftlichen Nachbarschaftshilfe keine Betriebshelfer zur Verfügung stehen, kann der Maschinenring auch Lohnarbeit-Dienstnehmer bereitstellen. Ist auch dann noch keine Vermittlung möglich, kann der Betrieb selbst Dienstnehmer anstellen, die von der SVB ebenfalls mit dem genannten Stundensatz bezuschusst werden.

„Durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft wird es für unsere 93 Maschinenring-Geschäftsstellen in ganz Österreich zunehmend schwierig rasch geeignete, qualifizierte Betriebshelfer zu finden. Natürlich bleibt die Betriebshilfe im Rahmen der Nachbarschaftshilfe auch künftig die erste Wahl, aber weil es gerade in der Sozialen Betriebshilfe erstes Gebot sein muss, unseren bäuerliche Familien in Not, die Unterstützung am Betrieb brauchen, unmittelbar Hilfe leisten zu können, ist diese Öffnung eine sinnvolle und gangbare Alternative“, betont Bundesobmann Hans Peter Werderitsch. Um künftig noch effizienter und rascher bestens geeignete Einsatzkräfte vermitteln zu können, ist auch an die Anlage eines eigenen Helfer-Pools bzw. „Helferlisten“ gedacht.

Um die Administrierung der Betriebshilfeeinsätze und der Stundenverrechnung optimal und für alle Beteiligten transparent abwickeln zu können, ist außerdem eine stärkere organisatorische Verzahnung zwischen Sozialversicherungsanstalt der Bauern und Maschinenring auf Basis von Webformularen, z. B. bei Einsatzmeldung oder Abrechnung, vorgesehen.

Die Neuausrichtung der Sozialen Betriebshilfe steht selbstverständlich auch in Zukunft allen bäuerlichen Familien, die solidarische Hilfe brauchen, zur Verfügung, unabhängig davon, ob eine Mitgliedschaft im Maschinenring besteht oder nicht.